Aufnahme von Alkohol – Wie nimmt der Körper das Suchtmittel auf

Ethanol kann in alle Gewebe des Körpers eindringen, da es ein kleines wasserlösliches Molekül ist. In der Regel und wie auch im folgenden Kapitel beschrieben wird Ethanol mit dem Begriff Alkohol gleichgesetzt und in Form von alkoholischen Getränken konsumiert. Die ganz genaue Resorptions- und Abbauphase wird im Praxisteil behandelt. Zu Beginn wird die Aufnahme von Alkohol im Körper beschrieben, dabei spricht man von der Aufnahme und Absorption von Alkohol.

Aufnahme von Alkohol und die Verteilung auf Magen und Dünndarm

Der getrunkene Alkohol gelangt zunächst über die Speiseröhre in den Magen. Bemerkenswert für den Alkohol ist, dass bereits ca. 20 Prozent der getrunkenen Alkoholmenge von der Magenschleimhaut aufgenommen und direkt in den Blutkreislauf abgegeben werden. Die restlichen 80 Prozent gelangen in den Dünndarm und kommen erst über die Darmschleimhaut in den Blutkreislauf. Da die Magen- und Darmschleimhaut mit einem engen System aus feinsten Blutgefäßen durchwoben ist, können notwendige Nährstoffe, aber auch Giftstoffe wie Alkohol aufgenommen werden und in den Blutkreislauf gelangen. Die folgende Grafik soll veranschaulichen, welchen Weg Alkohol zunächst im Körper wählt und wo er absorbiert wird.

Abbildung 1: Alkoholaufnahme im Körper (Lindenmeyer, 2016, S. 48)

Alkohol im Blutkreislauf

Der im Blutkreislauf aufgenommene Alkohol verteilt sich innerhalb weniger Sekunden im ganzen Körper. Unter anderem erreicht er auch das Gehirn, wo er dann seine Wirkung entfaltet. Da Alkohol eine fettlösliche Wirkung besitzt, überwindet er mühelos die aus fettartigen Stoffen konstruierte Blut-Hirn-Schranke, welche das Gehirn wie ein Filter vor dem Eindringen von Giftstoffen schützen soll. Alkohol zählt zu den besonders gefährlichen Suchtmitteln, da er einerseits aufgrund seiner besonderen Wasserlöslichkeit bereits zu einem Fünftel ohne weiteren Verdauungsprozess direkt vom Magen in den Blutkreislauf gelangt und andererseits durch seine fettlösliche Wirkung die Blut-Hirn-Schranke überlistet. Zum Beispiel kann schon ein Wasserglas voll Schnaps, in einem Zug getrunken, zum Tod führen. Eine noch schnellere Wirkung im Körper, können nur direkt in die Blutbahn gespritzte Medikamente, gasförmige Stoffe oder Drogen entfalten. Der Vorgang des Trinkens, bis der Blutalkoholspiegel zu steigen beginnt, dauert lediglich circa 5 Minuten und erreicht nach 30-60 Minuten seinen Höhepunkt.

Den Aufnahmevorgang von Alkohol in den Blutkreislauf kann man auf drei Arten beschleunigen. Als Erstes durch Kohlensäure, welche zum Beispiel in Sekt enthalten ist. Diese wirkt bei vielen Menschen besonders anregend und erfrischend, wodurch eine schnelle Wirkung als eine Art Kick empfunden wird. Als Zweites bewirken hochprozentige Alkoholika eine schnellere Aufnahme, was oft dazu führt, dass viele Alkoholabhängige im Laufe ihrer Suchtentwicklung zur rascheren Dämpfung ihrer Entzugserscheinungen auf harte Alkoholika wie Wodka oder Schnaps umsteigen. Als Drittes bewirkt eine Magenoperation, wobei man von einer operativen Entfernung eines größeren Teils des Magens ausgeht, dass der Aufnahmevorgang beschleunigt wird, da die Betroffenen deutlich weniger Alkohol vertragen. Da im Fall dieser Operation selbst starke Trinker entsprechend weniger Alkohol trinken, wird dies von der Umwelt manchmal als Anzeichen einer Bewältigung ihrer Alkoholprobleme missverstanden.

Aufnahme von Alkohol und die verlangsamte Wirkung bei vollem Magen

Nach dem Verzehr von insbesondere fettreichen beziehungsweise eiweißhaltigen Speisen ist die Aufnahmegeschwindigkeit von Alkohol im Körper deutlich verlangsamt. Vor einem geplanten massiven Alkoholkonsum ist also ein Becher Milch oder ein Löffel Speiseöl ratsam, um nicht so schnell betrunken zu werden. Einen praktischen Sinn ergibt somit auch der Brauch, in vielen südlichen Ländern wie zum Beispiel Griechenland, dass zu alkoholischen Getränken ölhaltige Nüsse, Oliven oder Sardinen serviert werden.